Vom Tod einer
Kunststadt.
Eine "schöne Idee" und
ihr Ende. Abschied in die Provinzialität.
Mit einigen
Kunststädten ist der Name des Kunstsammlers Ludwig und seiner Frau international verbunden. Mit seiner Heimatstadt Aachen heute eher ambivalent. Es war Ludwig, der Aachen mit der Neuen Galerie
Sammlung Ludwig 1970 in die Kunstwelt katapultierte. In einem Atemzug mit New York, Venedig, Moskau oder Peking wurde sie genannt. Der Grund: Ludwig präsentierte alle Neuerwerbungen als
erstes in Aachen. Als es in Aachen in den Achtzigerjahren um einen Museumsneubau ging, kamen gleich mehrere Standorte in Frage, beispielsweise ein Neubau an der Monheimsallee oder ein
Umbau einer Schirmfabrik an der Jülicherstrasse. Der Neubau wurde abgelehnt. Es entstand das Ludwig Forum.
Es war ein Forum, kein
Museum. Für "grosse Ausstellungen grosser Namen" ist es aus versicherungstechnischen, weil ohne Klimaanlage und anderen Gründen heute noch ungeeignet. Als Ludwig gar seine
Picassosammlung Aachen anbot, lehnte man auch einen Neubau ab. Sie ging nach Köln. Die "Bürger" Aachens lehnten ein Bauhaus Europa neben dem Dom ab, dass einige auch eher als "Ludwigmuseum" oder
"Museum für zeitgenössische Kunst" sahen gleich neben der Domschatzkammer. Es passte konzeptionell nicht, gleich wohl nur 3 Millionen gefehlt hätten.
Als man öffentlich zu
einer neuen Ideenrunde aufrief, kam von Seiten des Künstlermuseums Beckers ° Böll, Aachen die Idee, das Alte Kurhaus als funktionstüchtiges Museum zu reaktivieren mit einem kleinen Neubau als Anbau.
Eine weitere Idee des Künstlers Günther Beckers fand unter Einbeziehung des "Bushofareals" mit angrenzender Bibliothek und Platz für ein Haus der Musik ihren Schlusspunkt als "Kunst-, Kultur und
Kommunikationszentrum" im Herzen Aachens. Eine geniale Idee, wie einige fanden, wäre sie doch die Lösung vieler "Forderungen" für neue Häuser, regionalem wie internationalem Zuschnitts gewesen, zu
mal in einer Kooperation mit auf Profit schauender "Wirtschaft und Konsumkultur". "Das Zentrum hätte zweimal realisiert werden können", so der Künstler. Bis auf ein Gespräch mit dem damaligen OB fand
kein einziges Gespräch statt - kein einziges.
Ludwig verstarb 1996
und seine Frau führte die "Sammlung" weiter bis zu ihrem Tode 2010. Die "Bushof-Idee" von Beckers, schlussendlich auch in Kooperation mit "Vertretern der Wirtschaft", die hier auch eine
Multifunktionshalle, eine Medienhalle mit einbrachten, ist nun auch gestorben. Ein Anteil wurde an einen Investor verkauft. Fazit: es entstand kein einziges funktionierendes Museum
zwischen 1970 und 2010. Es entstand gar nichts, wohl eine "Route Charlemagne". Die Folge: Das Sammlerehepaar übergab Grossteile der Sammlung nach Köln und anderswo. Das Suermondt-LudwigMuseum, eher
ein Heimatmuseum, wurde bedacht. Aachen, dem Forum bleiben 62 Signetwerke. Zu wenig für ein Museum für zeitgenössische Kunst um zu leben. Zu viel, um zu
sterben?
Der Künstler Günther
Beckers erinnert noch einmal an die Lösung des "Alten Kurhauses mit Anbau", konzeptionell neu überarbeitet. Wie gross der Schaden wirklich ist für Aachen, ihr schleichender Tod als Kunststadt, ihr
Abschied in die Provinzialität, das mögen die verantworten, die aus "Arroganz, Ignoranz, Opportunismus", aus kleinkariertem, provinziellem Denken und Inkompetenz heraus - und da gehören, wie ich
meine, sehr viele zu - alles ablehnten.
Doch des Pudels Kern
scheint seit Anfang der Neunzigerjahre eher zu sein: man weiß "politisch", "kulturell" mit all den leerstehenden, alten Häusern nichts so recht anzufangen, pfropft ihnen Ideen auf. Dass sie ihre
Ideen, "Machwerke, Kulturwerke" als "genial" einstufen, selbstredend.
Man kann Ludwig durch
aus kritisch sehen, das tue auch ich, eine kunsthistorische Frage, aber wer so etwas macht, im Grunde internationale Kunst und Künstler "tot" zensieren, was macht der selber, was stellt der auf die
Beine um Tourismus, Attraktivität buhlend? Antwort: eine Nulllösung! ( und bewirbt sich anschließend als Kulturhauptstadt Europas ) Das habe ich ja noch nie gesehen, Teil II. Für die
schlichteren Gemüter: Manche wollen die Wurst ohne das lästige Schwein! ( ... und das kann man manchmal, je nach Sicht, durchaus wörtlich nehmen )
Ich danke für ihre
Aufmerksamkeit
Günther Beckers,
Künstler